BOHNAUHAUS


Tannenbergstr. 91, 73230 Kirchheim/Teck       

Anfragen zur Belegung über das Pfarramt Maria Königin, Tannenbergstr. 61, 73230 Kirchheim/Teck

Tel. 07021-55588    


Offene Türen mitten unter der Menschen

Seit über zwanzig Jahren hat die Bohnau ein eigenes Haus



Der Strom der Heimatvertriebenen ermöglichte in den Sechzigerjahren die Gründung einer zweiten katholischen Kirchengemeinde in der Kirchheimer Südstadt. Die Kirche Maria Königin stand als Zelt Gottes zwar am Stadtrand, aber mit ihrer jungen Gemeinde durchaus schnell im Zentrum einer neuen Erscheinungsform von Kirche: weltoffen, fröhlich, demokratisch und über den Tellerrand hinaus interessiert.


Seitdem prägen Partnerschaften mit Ghana und interkulturelle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen das Erscheinungsbild im „Wilden Süden“. Lange Jahre war der Pfarrsaal im Untergeschoss des benachbarten Altenheimes St. Hedwig der einzige Versammlungsraum der jungen Gemeinde. Lediglich eine Hütte erweiterte am durch die Kirchengemeinde erworbenen Bauplatz an der Tannenbergstraße 91 die Möglichkeiten der Gemeindearbeit. Nach 5-jähriger Planungsphase konnte am 5. Mai 1985 der 1. Spatenstich bzw. Baggerbiss für den Neubau des Bohnauhauses getätigt werden.


Am 05. Oktober 1986 wurde das Bohnauhaus seiner Bestimmung für die Gemeindemitglieder und die gesamte Kirchheimer Südstadt übergeben. Die Pläne für das preisgekrönte Haus lieferten die Architekten Bühler&Bühler aus München. Die Kirchengemeinde legt besonderen Wert darauf, dass es ein offenes Haus für alle Bewohner und Konfessionen in der Kirchheimer Südstadt ist.


Diese Offenheit erschließt sich sofort beim Betreten des Hauses. Offene Dachkonstruktionen aus warmem Holz führen einen sofort in das gefühlte Herz des Hauses. Am Tresen des „Papperla-Pub“ finden nicht nur seelsorgerliche Gespräche statt, sondern treffen sich die Generationen und natürlich auch durstige Seelen jeder Himmelsrichtung.


Von Anfang an wollten die Erbauer um Pfarrer Nothelfer einen Ort der Begegnung mitten im von Arbeit dominierten Bohnau-Industriegebiet schaffen. Rein äußerlich erinnert das Bohnauhaus deshalb auch eher an eine Industriehalle. Innen aber entfalten sich auf drei Ebenen die Möglichkeiten von Begegnung, Gemeindeleben, Gespräch und Stille. Viele der damals jungen engagierten Frauen und Männer sind über viele Jahre mit dem Haus gewachsen und haben die Veränderungen der Gesellschaft mit erlebt und mit geprägt. So ist das Bohnauhaus wohl das einzige Gemeindehaus in der gesamten Diözese Rottenburg-Stuttgart, das von Beginn an komplett ehrenamtlich und gleichzeitig als Wirtschaftsbetrieb geführt wird. Das gelingt natürlich nur mit einem hohen Engagement, das zum Markenzeichen der Gemeindearbeit wurde. Bis heute laden Ehrenamtliche am ersten Sonntag des Monats zum Kaffeenachmittag ein und betreuen sämtliche Veranstaltungen im Haus.


1991 siedelte sich ein offenes Jugendzentrum im Bohnauhaus an. Das Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit (KiZ) fand Räume zum Aufbau einer offenen und sozialen Jugendarbeit. Inhaltlich inspiriert von den Grundsätzen der Christlichen Arbeiterjugend nahmen die ersten Mitarbeiter um Akos Csernai-Weimer die Jugendlichen aus dem Bohnau- und Raunergebiet bei sich auf und ermöglichten eine der ersten offenen betreuten Jugendtreffs.

Schnell zeigte sich der hohe Bedarf an Ansprechpersonen, und so wurde das KiZ schnell zum Treffpunkt für die im Umfeld wohnenden Jugendlichen. Dazu bot das im Keller beheimatete „Miracles“ als selbstverwaltete Jugend-Disco einen attraktiven Ort, an dem Jugendliche ohne Aufsicht ihre Vorlieben für Musik, Tischkicker und Billard ausleben konnten.


Über die Jahre haben sich die Gäste des Bohnauhauses und des KiZ natürlich verändert. Nach wie vor aber spricht das Haus die unterschiedlichsten Menschen an. Die Bohnauzwerge sind eine Gruppe, die unter Dreijährige pädagogisch betreut. Sie unterstützen damit die Bedürfnisse junger Familien und Alleinerziehender. Das Kochteam bietet vierzehntägig Essen für Ältere und Alleinstehende an und bietet damit etlichen Menschen in der Umgebung neben leckerem Essen auch ein Fest der Begegnung. Nicht zuletzt haben Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern in den neuen Mitarbeitern des KiZ Ansprechpartner für die Berufsorientierung und offene Ohren für die ganz persönlichen Fragen und Probleme.


Darüber hinaus hat sich das Bohnauhaus auch als Heimatort für verschiedene Großprojekte erwiesen. Der Kirchheimer Mädchentag hat hier seinen Ursprung und seine Heimat. Jahr für Jahr erobern Mädchen und junge Frauen das Haus, um unter ihresgleichen Ermutigung und Orientierung zu finden. Schon zweimal tat das Haus als Basislager der 72-Stunden-Aktion des SWR beste Dienste für an die hundert Jugendlichen, die sich sozial in Kirchheim engagierten.


Nicht zu vergessen sind die zahlreichen kulturellen Höhepunkte, die das Bohnauhaus als Veranstaltungsort bietet. Von Barbara Dennerlein bis zu Uli Keuler haben sich schon etliche Größen der Musik- und Kabarettszene im Gästebuch verewigt. Im September gibt Bernd Kohlhepp alias Hämmerle sein Gastspiel. Benefizkonzerte wie zuletzt für die Aktion Starkes Kirchheim gegen Kinderarmut finden im Haus stets offene Türen und Unterstützung.


as Bohnauhaus lebt - auch nach fünfundzwanzig Jahren. Mitten unter den Menschen sollte das Haus seinen Platz finden. Dort ist es immer noch: ganz nah bei dem, was Menschen bewegt und beschäftigt und nah an ihren Fragen, Nöten, Ängsten, Freuden und Hoffnungen.